Bericht Nr. 36

VfB Stuttgart - Hannover 96
Die Karte zu einem trostlosen Spiel! Karte

 

Um 13 Uhr machte man sich zu viert auf den Weg nach Stuttgart. Zunächst sah es lange danach aus, als könnte ich überhaupt nicht zu diesem DFB-Pokal Achtelfinale reisen, kurzfristig ergab sich aber doch noch diese Mitfahrgelegenheit. Daß der Fahrer ausgemachter Bayern-Fan ist und somit die Fahrt zu einem Medley der besten Bayern-Hits des Jahres wurde ließ sich ohne weiteres verschmerzen, einzig die Tatsache in einem Nichtraucherauto zu sitzen schmerzte. Nach fast 6 Stunden und einer etwas längeren Suche nach dem Gottlieb-Daimler-Stadion kam man schließlich doch noch rechtzeitig am Ground an. Von den Securitys bei den Stuttgarter Kickers war man ja schon einiges gewöhnt was Schikane angeht, aber beim VfB wurde beim Einlaß alles bisher erlebte in den Schatten gestellt. Es hätte nur noch gefehlt, daß man sich nackt an die Wand stellen muß und dann die Körperhöhlen durchsucht werden. Zum Anpfiff hatten sich etwa 150 Hannoveraner im Stadion versammelt. Für einen Mittwoch durchaus akzeptabel. Die Tatsache aber, daß sich insgesamt nur 3400 Zuschauer im weiten Rund verirrten ist schon mehr als peinlich.
Die Erwartungen an das Spiel waren diesmal so genau nicht zu definieren. Sicherlich ist der Pokal längst nicht so wichtig wie der Aufstiegskampf in der 2.Liga und trotzdem sollte beim abstiegsgefährdeten VfB etwas zu holen sein.
Die Sicht auf das Spielfeld vom Gästeblok aus war schlichtweg miserabel und auch von der Mannschaftsaufstelung bekam man absolut nichts mit, da die Anzeigetafel sehr clever plaziert ist und der Stadionsprecher einmal an seiner Artikulation arbeiten sollte (dies ist für die Schwaben aber ohnehin ein Problem wie man schnell feststellen konnte).
Mit dem Anstoß wurde aber klar, daß Trainer Ehrmantraut hier nicht alles aufbot was es aufzubieten gab. Libero spielte Michael Molata, vor ihm die Manndecker Dermech und Amadou. Oliver Schäfer sollte die Sonderbewachung von Balakov übernehmen. Nico Däbritz musste für dieses Defensivkonzept auf die Bank ausweichen. Den gesperrten (und zugleich verletzten) Altin Lala sollte Steven Cherundolo ersetzen. Daniel Stendel spielte als einzige Spitze, da Jan Simak nach seinen jüngeren Einsätzen im Sturm diesmal wieder ins offensive Mittelfeld beordert wurde.
Sehr gemächlich begann der Kick und gemächlich kamen auch immer mehr Hannoveraner ins Stadion. Knapp über 200 waren es als es nach 7 Minuten bereits 1:0 für Stuttgart stand. Sean Dundee hatte eine Flanke von Pinto mit der Hacke im Tor versenkt. Die erste Halbzeit gehörte zweifellos dem Bundesligisten, der deutlich mehr Spielanteile und leider auch mehr Cleverness zeigte. Hannover igelte sich ein und konnte zu keinem Zeitpunkt an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen. Nach 30 Minuten gab es die erste Torchance durch einen Weitschuß von Danijel Stefulj. Kurz vor der Pause hatte Daniel Stendel aus spitzem Winkel nocheinmal den Ausgleich auf dem Fuß. Dieser wäre aber alles andere als verdient gewesen in einer bis hierhin absolut schwachen Partie vor einer mehr als schwachen Kulisse. Zwar versuchte man etwas Stimmung zu machen, es hatte aber nicht wirklich Sinn. Die Stuttgarter gefielen zwar Mitte der Halbzeit durch schönen Rauch hatten aber ansonsten auch nichts zu bieten.
Zur zweiten Halbzeit stieg die Zahl der mitgereisten Hannoveraner auf insgesamt etwa 300, da der Fanbus mit reichlich Verspätung ankam. Was da erzählt wurde war fast interessanter als das Spiel und bekräftigte das Bild der schwäbischen Sicherheitskräfte. Der Bus wurde jedenfalls ca. 1 Stunde aufgehalten und auf den Kopf gestellt, die Insassen wurden zweimal 'gründlich' durchsucht und polizeilich erfasst. Sehr fraglich ob das bei einem einzigen Bus und derartigen Stadionkontrollen nötig war. Wie dem auch sei, der Support wurde jetzt etwas besser, auch da nach 52 Minuten aus heiterem Himmel der 1:1-Ausgleich fiel. Jan Simak hatte aus 25 Metern abgezogen und Torwart Hildebrand alt aussehen lassen. Ein geiles Tor, wenn auch völlig unverdient. Jetzt hatte man wieder Hoffnung aufs Weiterkommen, allerdings nicht besnders lange. 4 Minuten später ließ Michél Dinzey Krassimir Balakov zuviel Platz, der Bulgare stieß in den Strafraum und wurde dort von Carsten Linke unglücklich getroffen. Schiri Stark entschied auf Elfmeter. Im Stadion sah es nach einer richtigen Entscheidung aus. Der gefoulte verwandelte den Strafstoß jedenfalls problemlos zum 2:1. Wer jetzt auf ein Aufbäumen hoffte sah sich getäuscht. Es spielte nur noch Stuttgart. Gegen Carnell hielt Jörg Sievers in Weltklassemanier und verhinderte so die größte Chance zum 3:1. Nach 90 Minuten wurde der Gruselkick vor Gruselkulisse (am Ende gab es bei den HSV-Anhängern nur noch Sinnlos-Support) abgepfiffen und der VfB kam verdient weiter ins Viertelfinale.
Nach dieser Niederlage kann sich Hannover 96 nun vollkommen auf den Kampf um den Aufstieg in Liga 2 konzentrieren. Schade nur, daß sich diese Horrortour keinesfalls ausgezahlt hat. Schon 70% der Leistung in Aachen hätten bei schwachen Schwaben zum Weiterkommen gereicht, aber wie es zum Schluß so schön hieß: 'Scheißegal!'. Die Heimfahrt war geprägt von Müdigkeit. Um 3 Uhr fiel ich dann ins Bett mit dem tollen Gefühl am nächsten (nein, am selben) Tag wieder arbeiten zu dürfen. Da sind 3 Stunden Schlaf dch geradezu ideal...

VfB Stuttgart

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Hannover 96

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