Hannover 96 - Berichte


Mein Bericht vom Spiel SV Kickers Stuttgart - Hannover 96:


Es geht um nichts, am Donnerstag sah man ein grottenschlechtes Spiel und die Reise ist lang! Klingt abschreckend? Nicht für echte 96-Fans. Um 6.30 Uhr aufstehen um dann eine Stunde später zu viert nach Stuttgart aufzubrechen, so war der Plan. Am Bahnhof aber trafen wir (vier) noch einen einsamen Roten der den Bus nach S-Degerloch verpasst hatte. Auf der Hinfahrt waren wir also zu fünft und trotzdem in Feierstimmung. Was sollte man auch sonst machen als feiern? In Kirchheim (jedem Fan sagt dieses Mekka der Auswärtsfahrtpausen etwas) trafen wir dann auch etwa 200 BGS-Beamte die aber ausnahmsweise nicht für uns reserviert waren. Die Herren und Damen mit der Staatsgewalt kamen von einer Demo aus Weimar. Egal, weiter Richtung Süden. Glücklicherweise war das Waldaustadion in unserem Atlas gekennzeichnet und so war es das kleinste Problem im Stadtteil Degerloch das Ziel zu finden. 3 Stunden zu früh waren wir in der Schwaben-Metropole, also sahen wir uns auf einem Nebenplatz noch die letzte halbe Stunde des Spiels Kickers-VfB (1:2) an! So könnte es heute auch ausgehen, auch wenn es völlig egal war versteht sich! Zeit hatten wir immer noch mehr als genug und so setzten wir uns noch in den neben dem Waldaustadion gelegenen Wald um uns einzusingen. Zwei echte Schwaben namen dies zum Anlaß um uns anzusprechen. Der erste ältere Herr (eindeutig ein VfBler) erkundigte sich über unseren Mittelfeldhünen Stefan Blank, der nächste Saison zum Stadtkonkurrenten der Kickers wechselt. Mit diesem lustigen Gesellen einigten wir uns darauf, in der Saison 2001/02 gegeneinander zu spielen und zwar in der Bundesliga! Der zweite durch blau-weißes Outfit auffallende Kickers-Fan hat uns dann etwas länger beschäftigt. Er wollte uns überreden den Kickers die Punkte zu überlassen, im Gegenzug dürften wir aber nächste Saison im Degerloch unseren Aufstieg feiern. Darauf ließen wir uns ein (jedenfalls taten wir so). Dann wurde philosophiert über den Gegner im nächsten Jahr, den SSV Reutlingen, über die Regionalliga, die 2.Liga und auch die Bundesliga. Als wir dann noch klärten welcher Verein wann was gewann (oder auch nicht) trennten uns unsere Wege und wir kauften unsere Karten. Vorm Eingang noch mehr als gründlich (eher lächerlich pingelig) durchsucht ging es eine Dreiviertelstunde vorm Anpfiff in unseren Block D. Etwa 150 Hannoveraner fanden sich bis zum Anpfiff im Waldaustadion ein! Immerhin, ich rechnete mit 60-80! Nachdem der Stadionsprecher vergeblich versuchte die für diese Situation beschämend wenigen 4900 Kickers-Fans (meist Kids) einzustimmen, ging es los mit Fußball.
Hannover begann mit einer Überraschung. Ohne Libero und mit lediglich zwei Abwehrspielern ging es in die Partie. Für den verletzten Kobylanski spielte Manndecker Stefulj im linken Mittelfeld. Den Dreier-Sturm bildeten Stendel Keita und Morinas. 96 hatte zu Beginn arge Probleme sich auf das neue System einzustellen. Trotzdem hatte Salif Keita die beste Torchance der ersten Viertelstunde als er allein vor Torwart Ramovic scheitert. Diese Chance täuschte aber nicht über die Tatsache hinweg, daß Stuttgart stärker und natürlich auch engagierter begann. Nach 18 Minuten wurde die Überlegenheit dann zum 1:0 durch einen Kopfball von Carsten Keuler genutzt. Die Kickers sollten jetzt eigentlich erleichterter spielen, doch sie wirkten weiterhin verkrampft. Bastian Reinhardt hatte zwar nach einer Ecke die Chance per Kopf auszugleichen, doch insgesamt hatte man das Gefühl, die Roten warten nur auf den Halbzeitpfiff. Der kam dann auch nach eher unspektakulären 45 Minuten.
Die Stimmung unter den Hannoveraner war recht gut, als man jedoch merkte, daß die Mannschaft teilweise da weitermachte wo sie gegen Fürth aufhörte, wurde es still. Hat man für eine derart lustlose Leistung den langen Weg ins Schwabenland aufgenommen? Man hoffte auf eine ansehnlichere 2.Hälfte.
Die zweiten 45 Minuten hatten von Beginn an ein anderes Gesicht. Hannover spielte plötzlich auf Sieg. Die Kickers wurden von Beginn an attackiert und 96 erarbeitete sich Chancen. Nach 52 Minuten kam dann der verdiente Ausgleich. Libero Weinzierl rutscht der Ball nach einer Flanke über den Scheitel, Torjäger Daniel Stendel nimmt den Ball kurz an, schießt und 1:1. Nach diesem Tor rollte der rote Express. Chancen durch Schüsse von Baschetti, Stendel und Bounoua hätten längst den Führungstreffer bringen müssen. Als die sichtlich angeschlagenen Stuttgarter in der 62.Min. dann noch eine Gelb-Rote Karte für Blessin hinnehmen mussten, waren sie stehend K.O. Jetzt hätte man das Ganze locker über die Bühne bringen können. Erneut Stendel scheiterte aber nocheinmal aus aussichtsreicher Position. 75 Minuten waren gespielt als das geschah, was man nur schwer beschreiben kann! Kurz vorm 96-Strafraum kommt ein Stuttgarter zu Fall. Der Ball rollt in den Strafraum und im Glauben der Schiedsrichter hätte Freistoß gepfiffen, nimmt Carsten Linke den Ball mit beiden Händen auf -> Elfmeter. Kickers-Torjäger Tomislav Maric verwandelt sicher mit seinem 20. Saisontreffer zum 2:1. 96 bleib zwar die bessere Mannschaft, die Mannschaft erholte sich aber nicht mehr von diesem Schock. Am Ende steht ein unwichtiges 1:2 bei den Stuttgarter Kickers, daß sicherlich völlig egal, aber trotzdem sehr ärgerlich ist! 96 jetzt auf Platz 9, am letzten Spieltag ist von Platz 7-11 alles möglich.
Die Stimmung im Stadion war grottenschlecht. Hätte das treten gegen die Werbebanden nicht ordentlich Lärm gemacht, hätte man meinen können bei einem Spiel in der Landesliga zu sein. Die 150 Roten machten aus ihren Möglichkeiten das beste und blieben ihrer guten Laune treu. Die Kickers-Kids jedoch brüllten nur 'Kickers-Kickers' wenn es ihnen der Stadionsprecher vormachte. Lediglich 4980 Zuschauer wollten ihre Mannschaft im Kampf um Liga 2 unterstützen, schwach! Die Stuttgarter Kickers können es jetzt jedenfalls am letzten Spieltag noch schaffen und für uns geht die letzte Auswärtsfahrt der Saison 99/00 zu Ende. Da war aber noch die von Höhepunkten gespickte Rückfahrt. Zunächst einmal meinte unser Fahrer uns den Süden zu zeigen und fuhr 45 km in die falsche Richtung! Toll, dachten wir...doch das war gar nicht so schlecht! Mit ordentlich Zeitrückstand trafen wir dann auf der A7 nämlich den 96-Mannschaftsbus! Mit Lichthupe grüßte man uns, mit Warnblinker antworteten wir! Als dann Horst Ehrmantraut und Manager Levin dann noch freundlich grüßten und somit unsere wilden Hampeleien honorierten war der Tag gerettet! Das war es eigentlich. Falls ihr noch wissen wollt was aus unserem unbekannten Mitfahrer vom Hinweg wurde: Keine Ahnung! Der war in Stuttgart plötzlich weg und vielleicht sitzt er da immer noch... Bis zum letzten Saisonspiel gegen den VfL Bochum und dann auf eine neue Saison in der es, da waren wir uns alle einig, von Anfang an um den Aufstieg gehen soll!