Hannover 96 - Berichte


Mein Bericht vom Spiel FC St. Pauli - Hannover 96:


Leider mal wieder ein Freitagsspiel und das heißt: Entweder wegbleiben oder gleich nach der Arbeit tieffliegen. Wenn 96 in St.Pauli spielt ist die Entscheidung doch sehr einfach. Nach der Arbeit ging es gleich los, schnell im Auto umgezogen und dann in den ersten Stau. Hoffentlich kommen wir nicht zu spät, dachten ich und mein Fahrer, den Rest unserer Truppe würden wir erst im Stadion treffen. Entgegen aller Erwartungen fanden wir dann auch bis 18.00 Uhr einen Parkplatz und das Stadion, vor dem sich einige wohnhafte Penner über den großen Ansturm von 96-Fans wunderten. Dann ging es in die Bruchbude Wilhelm-Koch-Stadion. Äußerst 'freundliche' Ordner und Hundertschaften von Polizisten erwarteten die Roten im Stadion. Nach einiger Zeit waren wir dann zu fünft undd es konnte losgehen. Zunächst aber wurden mit den St.Pauli-Fans Nettigkeiten ausgetauscht und kurz vorm Anpfiff ging es richtig zur Sache. Zuerst zwei Bengalos und dann die größte Rauchbombe die seit Lübeck '97 gesehen habe! Die Ordner wurden langsam aber sicher unruhig und meinten dann die Ultras von den Zäunen rupfen zu müssen. Ein großer Fehler, denn unter Roten verfährt man nach dem Motto: Kameradschaft Hannover. Die Ordner sind dann zu ihrer eigenen Sicherheit aus dem Block geflüchtet. Selbst schuld, bei so einem Spiel sollte man deeskalieren und nicht provozieren. Das überließen die völlig überforderten Ordner dann der Polizei und die ging, wie man das bei den 'bösen' 96ern machen sollte, ganz locker an die Sache. Nach diesen südländischen Szenen und Fast-Ausschreitungen waren die St.Pauli-Fans sichtlich überrascht und auch dem Schiedsrichter sah man an, daß er sowas nicht kennt ;) Dann begann aber das Spiel und alle freuten sich auf einen Auswärtssieg bei einem der vielen Erzrivalen und die damit verbundene Chance auf den Aufstieg!
Zum Spiel:
Ehrmantraut wollte in St.Pauli gewinnen. Das war eindeutig an der Aufstellung abzulesen. Die Abwehr wie erwartet mit Baschetti als Libero und den Manndeckern Reinhardt und Stefulj. Im Mittelfeld mit den eher offensiven Bounoua, Kreuz und Blank, sowie dem zuletzt hervorragend spielenden Allrounder Linke. Der dreier Sturm bestand diesmal aus Morinas, Kobylanski und Stendel. Wobei Kobylanski erstmals auf die rechte Seite sollte und Morinas über links kam. Das Spiel begann, wie alle der letzten Siege von Hannover, die Spieler fanden nicht ins Spiel und kamen oft einen Schritt zu spät. St.Pauli hatte folglich auch die ersten guten Torchancen durch den Ex-Hannoveraner Gerber und einen Seitfallzieher von Trulsen. Nach etwa 20 Minuten hatten die Roten das Spiel aber im Griff und spielten forsch nach vorne. In der 23.Minute hatte 96 die erste Torchance, als Kobylanski schön auf Stendel ablegt und der eisklat draufhielt. Das 0:1 und grenzenloser Jubel im 96-Block! Besser konnte es gar nicht beginnen. Weiter ging es dann bis zur Halbzeit mit ahrten Zweikämpfen, viel Kampf aber wenigen Torchancen. Ausnahme war eine Großchance von Gerber Sekunden vorm Halbzeitpfiff.
Die erste Halbzeit war nicht gerade ein Fußballeckerbissen, aber so siht es meistens aus bei Derbys und dies hier ist nunmal das Nordderby in Liga 2. Das Tor ließ die ohnehin schon erhitzte Stimmung im Block der Roten zum Kochen bringen. Jetzt wurde alles gegeben für die Mannschaft und gehofft, daß in der zweiten Halbzeit der eine oder andere Konter gefahren wird!
Halbzeit 2 begann wiederum mit engagierten Angriffen von den Braunen. Die zum Teil hundertprozentigen Chancen von Klasnic, Gerber und Marin wurden aber nicht genutzt. Die größte Möglichkeit hatte wiederum Gerber, der vorm leeren Tor kanpp an einer Kopfballvorarbeit vorbeischrammte. Es gab ohnehin viele Szenen im 96-Strafraum die einem das Atmen schwerer werden ließen. Gewurschtel und Zufallsschüsse, die aber von Sievers alle souverän abgewehrt werden konnten. Konter setzte die Mannschaft von Horst Ehrmantraut selten konsequent genug was den Übungsleiter an der Seitenlinie fast rasend machte! Mitte der 2.Halbzeit als Ehrmantraut durch die Einwechslung von Gärtner geschickt den Rythmus der Kiezkicker raubte, gab es dann nocheinmal eine Druckphase Hannovers. Einige Ecken und ein Schuß aus spitzem Winkel von dem überragenden Stendel brachten aber nicht den erhofften zweiten Treffer. Stattdessen sollte der Braune Angriffszug nocheinmal rollen, er kam aber nicht mehr richtig in Fahrt und so konnte in der 84. Minute endlich der Platz genutzt werden, der beim Kontern zur Verfügung steht. Der, ich muß mich wiederholen aber es ist nunmal so, seit Wochen spitzenklasse spielende Andrzej Kobylanski lief allein auf den unsicher wirkenden Torhüter Wehlmann zu und markierte das 0:2. Kurz vor Schluß rannte dann noch ein wohl etwas verwirrter St.Pauli-Fan quer über den Platz und brachte das Spiel damit zu seinem Ende. Beim Ergebnis von 0:2 blieb es und es war verdient, weil 96 bei einer stark spielenden Mannschaft und in hitziger Atmosphäre kühlen Kopf behielt und keine Nerven zeigte! Mit nunmehr 43 Punkten steckt Hannover 96 wieder mitten im Aufsteigskampf!
Nach dem Spiel, als auch der letzte erkannt hatte, daß der Typ der da über den Platz lief ein Brauner war und somit keine Strafe fällig werden kann, musste man glauben man ist in ein Kriegsgebiet geraten. Die Polizei-Hundertschaften waren angebracht, denn über der Röhre die die Spieler aufs Spielfeld führt wollten sich die Fangruppen gegenseitig an den Kragen. Es wurde gefeiert und jeder Rote hoffte nun, daß, wie oft genug skandiert 96 auf -und St.Pauli absteigt! Es war ein Spiel wie es sein muß, hier konnte man Fußball mit all seinen Emotionen erleben! Aus dem Satdion raus, das nächste Kriegsschaubild. Rauchschwaden über St.Pauli und unmengen feiernder und gröhlender 96-Fans. Immer in engem Abstand natürlich die Polizei, denn hier hätte es wirklich SEHR haarig werden können. Als dann so gut wie alle 18141 Stadionbesucher aus dem Gröbsten raus waren, konnten wir wieder nach Hause fahren mit dem tollen Gefühl 2:0 in St.Pauli gewonnen zu haben, einen Fußballabdend wie er sein muß miterlebt zu haben und dem Aufstieg ein Stück näher gekommen zu sein.
Gruß C.B.